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Die Armenische Diözese in Deutschland

 

Am 31. Januar 1991 gab das damalige Oberhaupt der armenischen apostolischen Kirche, Seine Heiligkeit VAZKEN I., in St. Etschmiadzin die Gründung einer eigenen armenischen Diözese in Deutschland mit Sitz in Köln bekannt.

 

Zum Primas dieser Diözese wurde Archimandrit Karekin Bekdjian ernannt. Karekin Bekdjian war bereits rund 20 Jahre zuvor zum Studium der Pädagogik in die Bundesrepublik gereist und hatte schon damals als armenischer Gemeindepfarrer gedient. In den folgenden Jahren bis zu seiner Ernennung zum Prälaten in Köln war er Priester der armenischen Gemeidne in Marseille.

 

Archimandrit Bekdjian wurde am 27. September 1992 zum Bischof geweiht. Im Januar 1998 bekam er während des ersten Pastoralbesuches Seiner Heiligkeit KAREKIN I. den Titel des Erzbischofs verliehen.

 

Im 18. und 19. Jahrhundert kamen die ersten armenischen Studenten und Kaufleute nach Deutschland. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich diese Tradition mit dem Zuzug von armenischen Gastarbeitern aus der Türkei fort, und in den siebziger bis neunziger Jahren kamen zu diesen zahlreiche armenische Flüchtlinge und Emigranten aus den von Krieg und politischen Unruhen heimgesuchten Nahoststaaten hinzu, die in Deutschland Zuflucht suchten. Zur Zeit leben in Deutschland etwa 35.000 – 40.000 Armenier, die in vielen kleineren und größeren Kommunen in 14 Gemeinden und in verschiedenen Kultur- und Sportvereinen organisiert sind.

 

Die ersten armenischen Familien, die in den sechziger Jahren nach Deutschland kamen, fanden in ihrem Gastland keine funktionierenden armenischen Institutionen vor. Die Maßnahmen und Programme zur Eingliederung von Arbeitnehmern aus der Türkei konnten die Armenier in der Bundesrepublik nicht in Anspruch nehmen, denn die Ängste, die sie aufgrund ihrer jahrhundertelangen Verfolgung und Diskriminierung in der Türkei mit nach Deutschland gebracht hatten, führten dazu, dass die Einrichtungen, die für türkische Gastarbeiter in Deutschland geschaffen worden waren, von ihnen gemieden wurden. Im Rahmen ihrer eigenen, bescheidenen Möglichkeiten gründeten die armenischen Gastarbeiter im laufe der Zeit kleine Kultur- und Kirchenvereine, die jedoch lange nur ein Schattendasein fristeten.

 

Dank der Hilfe der römisch-katholischen und evangelischen Kirchen in Deutschland, die sich seit den Siebzigern vermehrt für die Christen aus der Türkei setzten, konnten die armenischen Gemeinden als Gäste in den Räumlichkeiten dieser Kirchen ein organisiertes Gemeindeleben entwickeln.

 

Für jede Gemeinschaft sind tragfähige Strukturen unverzichtbare Grundlagen ihres Bestehens und ihrer zukünftigen Entwicklung. Seit den achtziger Jahren, in denen sich die Zahl der in der Bundesrepublik dauerhaft und teilweise bereits in der dritten Generation ansässigen Armenier stabilisiert hat, ist der Aufbau derartiger Strukturen für die armenische Kirche in Deutschland besonders dringlich geworden.

 

Im Nahen Osten und in der Türkei waren nicht-moslemische Minderheiten als ethnische oder religiöse Sondergruppen anerkannt, und so hatte auch die armenische Gemeinschaft in diesen Ländern ihren Anteil am politischen System. Im christlich geprägten Deutschland dagegen mussten neue Formen der Organisation der armenischen Gemeinschaft allererst noch gefunden werden; Formen, die geeignet sind, die Aufgaben zu erfüllen, die die armenische Kirche andernorts bereits seit Jahrhunderten wahrnimmt. Neben der Bewahrung des Glaubens gehört zu diesen traditionellen Aufgaben vor allem auch die Entwicklung von kulturellen und sozialen Aktivitäten, die dazu geeignet sind, die armenische Identität in der Diaspora zu bewahren.

 

Die Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland hat daher die wichtige Aufgabe übernommen, eine übergeordnete Gemeindestruktur zu schaffen, die unter Anpassung an die spezielle armenische Lebenssituation in der Bundesrepublik ein lebendiges Gemeindeleben für die im Lande befindlichen Armenier ermöglicht und auf Dauer sicherstellt.