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Zur Liturgie der Armenischen Kirche

 

Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern steht im Zentrum des Gottesdienstes auch der Armenischen Apostolischen Kirche. Die heute gebräuchliche Liturgie wird gewöhnlich „Surp Badarak“, d. h. Heilige Darbringung, genannt und steht im „Khorertadedr“, dem Buch des Mysteriums, aufgezeichnet.

 

Die heutige Liturgie wird dem Heiligen Athanasius zugeschrieben.

 

Bis zur Einführung der armenischen Schrift Anfang des 4. Jahrhunderts waren Syrisch und Griechisch als Gottesdienstsprachen in den verschiedenen Provinzen Armeniens im Gebrauch. Je nach vorhandener kultureller Einflusssphäre fanden damals deshalb von Syrien her die Jakobusliturgie aus Jerusalem sowie über Kappadokien die Traditionen der Basilius- und Chrysostomosliturgien in Armenien Eingang; die armenische Liturgie besitzt somit ihren Ort innerhalb der großen antiochenischen Liturgiefamilie. Nach Schaffung der armenischen Schrift durch Mesrop Maschtotz im Jahre 406 war es möglich, Gebete und Hymnen in armenischer Sprache schriftlich zu fixieren; jedoch kommt die Entwicklung der armenischen Liturgie erst im 17. Jahrhundert mit der Einführung der gedruckten Liturgiebüchern zu einem vorläufigen Abschluss.

 

Im 13. Jh. wird die lateinische Messe von Nerses von Lambron ins Armenische übersetzt. Infolgedessen wurde der Eingangsteil der lateinischen Messe auch in die armenische Liturgie aufgenommen. Dieser wird allerdings eingeleitet von dem herrlichen armenischen Hymnus „Khorhurt Khorin“ d. h. tiefes Mysterium, der von Khatschatur von Taron geschrieben wurde und mit welchem heute der öffentliche Teil des Gottesdienstes beginnt. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die gegenwärtig gebräuchliche armenische Liturgie „eine äußerst originelle Synthese“ (Heiser) aus den alten Liturgien der großen Schwesterkirchen und aus eigener, armenischer Tradition bildet.

 

Die armenische Liturgie besteht aus vier Teilen:

 

1. Vorbereitungsgottesdienst (arm. Badrasdutyun)

2. Wortgottesdienst (arm. Dschaschuzham), Liturgie der Katechumenen

3. Darbringungsgottesdienst (arm. Surp Badarak), Liturgie der Gläubigen

4. Segen und Entlassung (arm. Orhnutyun yew Artzagum)

 

1. Der erste Teil der armenischen Liturgie, der Vorbereitungsgottesdienst, stammt in seiner heutigen Form aus der Zeit des kilikischen Königreiches und zerfällt in vier Einzelhandlungen: a) Anlegen der Gewänder; b) Handwaschung und Sündenbekenntnis des Priesters; c) Aufstieg zum Altar; d) Vorbereitung der eucharistischen Gaben, von Wein und Brot (die Armenier benutzen ungesäuertes Brot und den Rotwein ohne Beimischung vom Wasser).

 

2. Den zweiten Hauptteil der armenischen Liturgie bildet der Wortgottesdienst, im dessen Mittelpunkt die Verkündigung Jesu steht. In Zeiten vor Bestehen des kilikischen Königreiches begann der öffentliche Teil der Liturgie erst an dieser Stelle, nämlich mit den Worten des Priesters: „Gepriesen sei das Reich des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Vor dem kleinen Einzug wird im Trishagion (Das Dreimalheilig, arm. Surp Asdwadz) die Erbarmung des gekreuzigten Gottessohnes erfleht. Es folgt eine neutestamentliche, namentlich entweder aus einem Apostelbrief stammende oder vom Zeugnis Christi bzw. von der Lehre des Kreuzes handelnde Lesung. Als krönender Höhepunkt kommt der Herr in der Evangelienlesung selbst zu Wort. Daraufhin bekennt sich die Gemeinde im nizäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis armenischer Fassung zu ihrem Glauben. Im Anschluss daran folgte ursprünglich unmittelbar die Predigt, die aber heute entweder vor oder nach der Feier der Eucharistie gehalten wird.

 

3. Im Zentrum des dritten Hauptteils der Liturgie steht das Erlösungs- und Versöhnungswerk Christi. Er wird Darbringungsgottesdienst genannt.

Im Großen Einzug (Offertorium) hebt der Diakon Wein und Brot am heiligen Tisch empor und überreicht beides dem Priester, während der Chor die Hagiologie bzw. das Cherubikon singt.

In Brot und Wein ist Christus, der nach Epheser 2, 14 selbst unser Frieden ist, selbst gegenwärtig, und unter dem Hymnus „Christus ist unter uns erschienen“ wird nun der Friedensgruß ausgetauscht. Der Diakon kommt vom Altarraum herunter und wechselt mit einem Gemeindeglied den Friedensgruß. Der Friedensgruß wird also anders als im Westen nicht erst vor der Kommunionsausteilung, sondern bereits vor der Darbringung ausgetauscht.

Es beginnt jetzt der Zentrale Teil der Liturgie, das eucharistische Hochgebet. Christus selbst bringt sich in der Eucharistie als Opfer dar. Was die Gemeinde darbringt, ist ein Opfer des Lobes.

Die Einleitung zum Hochgebet bildet eine trinitarische Benediktion. Dem Schöpfergott wird gedankt für seinen Heilswillen und seine Erbarmung, die durch das Erlösungswerk Jesu Christi, seines Sohnes, vollzogen wurde. Es folgt die Anamnese, in der der großen Werke der Erlösung, des Leidens, des Todes, der Auferstehung, der Himmelfahrt und Pfingsten gedacht wird. Laut gesungen werden die Einsetzungsworte und die Epiklese, mithin die Herabrufung des Heiligen Geistes. Mit der Bitte um Verleihung von Liebe, Festigkeit und um Frieden in der ganzen Welt beginnt anschließend ein ausführliches Fürbittengebet, in welchem der Heiligen, der Lebenden und der Verstorbenen der Kirche gedacht wird. Das Gebet endet mit dem „Vater Unser“ zuvor dankt der Priester dafür, dass wir Gott als unseren Vater anrufen dürfen.

Beim darauf folgenden Inklinationsgebet beugt sich die Gemeinde in Ehrfurcht zur Erde, während Brot und Wein in der Elevation, d.h. Emporhebung, erhöht werden. Die Haltung der Verehrung und Erhöhung bezieht sich auf die Elemente der Heiligen Dreifaltigkeit. Sodann wird das Brot in vier Teile gebrochen und in den Wein getaucht. Der gewaltige Tod, der die Sünden der Welt fortgenommen hat, soll hiermit vergegenwärtigt werden. Zunächst kommuniziert der Priester, daraufhin treten die Gemeindemitglieder, die seit dem Vorabend gefastet haben, zum Altar und empfangen das Heilige Mahl.

 

4. Im vierten und Schlussteil der Liturgie, Segen und Entlassung, steigt der Priester nach dem Dankgebet vom Altarraum herunter und liest meistens aus dem 1. Kapitel des Johannesevangeliums die Verse 1-14. oder aus dem 6. Kapitel die Verse 48-51. Anschließend werden die Gläubigen unter den Schutz des Kreuzes befohlen, gesegnet und entlassen.